GETTR-Chef und Trump-Berater: Im Interview mit Jason Miller

Er gilt als einer der erfolgreichsten Kommunikationsstrategen unserer Zeit und blickt auf mehr als 25 Jahre Erfahrung in der internationalen Spitzenpolitik zurück. Im Exklusivinterview mit dem Heimatkurier lässt er so einiges durchblicken: Ist die EU antidemokratisch? Wird Trump wieder kandidieren? Können wir unsere Freiheit noch zurückerkämpfen? Wir haben die Antworten.

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Sein Werdegang ist zweifelsohne beeindruckend, fast schon vorbildhaft für den weltbekannten Traum einer Nation, in der alles möglich scheint. Ohne goldenen Löffel, als Sohn eines einfachen Schweißers geboren, erklomm er aus eigener Kraft die absolute Spitze seiner Branche.

Seit seinem Abschluss an der George Washington University in Washington D.C., 1997, stritt er in unzähligen Wahlkämpfen auf Seiten der Republikaner und erwies sich von Beginn an als strategisches Talent und vor allem auch als Arbeitstier. Dank des Leistungsanspruchs, den er bis heute ungebrochen an sich selbst stellt, sollte seine Qualität nicht lange unbemerkt bleiben. Er wurde fortan mit immer höheren Aufgaben betraut, bis er schließlich im US-Wahlkampf 2016 als Pressesprecher für den späteren Präsidenten Donald Trump eingesetzt wurde. Nach dessen siegreichem Einzug ins Weiße Haus wurde er als Leiter für die kommende Kampagne auserwählt.

Wie kaum ein anderer wurde er Zeuge medialer Zensur und der daraus resultierenden Einschränkung der Meinungsfreiheit. Diese Erfahrung veranlasste Miller im vergangenen Jahr, eine zensurfreie soziale Plattform zu schaffen. Diese Plattform wurde kürzlich ein Jahr alt und trägt den Namen „GETTR“, kurz für „get together“. Die Namensgebung verrät bereits seine Intention: Er möchte eine Plattform des offenen Meinungsaustauschs schaffen, was ihm bislang auch zu gelingen scheint.

Im Zuge seiner jüngsten Europareise erklärte sich Jason Miller bereit, dem Heimatkurier eine Stunde seiner Zeit zu schenken. Einige Auszüge unseres Gesprächs haben wir in übersetzter Form für Euch unkommentiert zusammengefasst.

Heimatkurier: Herr Miller, viele sehen Sie als einen der relevantesten Verfechter der Meinungsfreiheit unserer Zeit. Sehen Sie sich auch in dieser Rolle?

Miller: Ich bin sonst keiner, der mit seinen Leistungen hinter dem Berg hält, aber in diesem Fall muss ich bescheiden sein. Ich würde mich selbst nicht als einen Anführer der Freiheitsbewegung sehen, aber die Art und Weise, mit der die freie Rede heute untergraben wird, ruft eine neue Generation von Führungspersonen in die Pflicht, für dieses Recht aufzustehen. Denn die, die sich bis heute als Verfechter der Meinungsfreiheit bezeichnen, kümmern sich nur darum, ob ihre Gruppen an Freunden dieses Recht wahrnehmen können. Es braucht also neue Leute und ich hoffe, dass ich einer dieser neuen Anführer sein kann.

Heimatkurier: Sie stimmen also grundsätzlich zu, dass das Recht auf freie Meinungsäußerung sukzessive beschränkt wird?

Miller: Absolut. 2020 erlebten wir in Bezug auf politische Diskriminierung das schlimmste Jahr der US-Geschichte. Menschen, die öffentlich Zweifel an der COVID-Ursprungserzählung hegten, die sich gegen Lockdowns aussprachen oder sich zurecht über Hunter Bidens Laptop empörten, wurden von den sozialen Medien verbannt und ins „digitale Gefängnis“ gesteckt. Bis zu guter Letzt Präsident Trump selbst Anfang 2021 auf allen führenden Plattformen gesperrt wurde. Das war der Moment, in dem mir klar wurde, dass wir alternative Plattformen brauchen werden, um unsere Meinung weiterhin kundtun zu können. Was mir zu diesem Moment noch nicht klar war, ist, dass das kein rein amerikanisches Problem ist, auch wenn amerikanische Firmen maßgeblich dafür verantwortlich sind. In Kanada, Brasilien, Großbritannien, Österreich, Deutschland, in der gesamten EU wird die Meinungsfreiheit massiv angegriffen.  

Heimatkurier: Denken Sie, Trump wird wieder kandidieren?

Miller: Nach heutigem Stand, ja. Ich habe in letzter Zeit öfter mit ihm gesprochen und denke, er wird es tun. Er hat noch keine endgültige Entscheidung getroffen, aber ich denke, er wird es dieses Jahr noch bekanntgeben. Ich werde ihn natürlich dabei unterstützen, auch wenn ich als CEO bei GETTR aktiv bleibe.

Heimatkurier: Sollte er antreten, rechnen Sie damit, dass Anbieter sozialer Netzwerke erneut gegen ihn vorgehen werden, diesmal aber vielleicht sogar noch radikaler und berechnender?

Miller: Das ist eine sehr gute Frage. Die wurde mir tatsächlich bislang noch von niemand anderem gestellt. Bis dato hat ihn noch keine Plattform entsperrt, weder Google noch Facebook noch Twitter. Er kann also weder Videos auf YouTube hochladen, noch E-Mails an seine Unterstützer senden. Das ist einer der einschlägigsten Fälle von politischer Diskriminierung. Ich denke zwar, dass er sich für die kommende Kampagne einen GETTR-Account erstellen wird, es wird für ihn aber dennoch schwierig werden, seine Haltung in die Welt zu tragen. Rechne ich damit, dass es trotzdem noch weitere mediale Anschläge auf ihn geben wird? Ja.

Heimatkurier: Stichwort „Deplatforming“: Auch in Europa gab es in den vergangenen Jahren massive Einschränkung durch Vorgehen dieser Art. Das beste Beispiel dafür ist vermutlich die Identitäre Bewegung. Konten wurden gesperrt, bekannte patriotische Aktivisten von den Plattformen gefegt. Während beispielsweise Rapper, die einen kriminellen Lebensstil, Drogen und Gewalt bewerben, bei den Plattformanbietern keine moralischen Bedenken wecken, müssen friedliche Dissidenten mit aller Kraft aus der Öffentlichkeit gedrängt werden. Das ist nicht nur Heuchelei auf höchstem Niveau, sondern vor allem auch eine Gefahr für die Demokratie. Anstatt diese Plattformanbieter dazu zu bewegen, demokratische Prinzipien zu respektieren, setzen die Verantwortlichen in der EU alles daran, zensurfreie Plattformen wie Telegram zu bekämpfen. Würden Sie sagen, dass sich die EU antidemokratisch verhält?

Miller: Ja. Und leider ist die EU damit nicht allein. In Amerika geht dieser Prozess der politischen Diskriminierung und Zensur hauptsächlich von Big-Tech-Firmen wie Twitter, Facebook und Google aus, aber in vielen anderen Ländern von der Regierung. In Brasilien beispielsweise vom Senat, in Großbritannien vom Parlament und in Europa von der EU. Mit Gesetzen, die vorgeben, der digitalen Sicherheit wegen eingeführt zu werden, wird die Meinungsfreiheit weiter ernsthaften Schaden nehmen. Medien und Regierungen stellen die Menschen nämlich vor eine „falsche binäre Wahl“. Sie behaupten, freie Rede wäre gefährlich. Sie behaupten, das Recht auf freie Meinungsäußerung würde das Ende der Zivilisation bedeuten und wenn man das verhindern wollte, könne man das nur, indem man dieses Recht einschränkt. Doch das stimmt nicht. Mit GETTR beweisen wir, dass zensurfreier Meinungsaustausch möglich ist.

Heimatkurier: Wie stehen Sie demnach zu Elon Musks Plänen, Twitter zu kaufen um dort freie Rede zu etablieren? [Anm. d. R.: Das Interview fand am 26. Juni statt.]

Miller: Wer ein Verfechter der Meinungsfreiheit ist, muss Pläne dieser Art gutheißen. Aber ich denke zum einen nicht, dass der Verkauf zustande kommt, und zweitens glaube ich, dass es nicht so einfach sein wird, die Kultur der Plattform zu ändern, denn sie ist tief in der DNA der Firma verankert. Musk müsste die gesamte Belegschaft feuern und alle Posten neubesetzen und das ist keine leichte Aufgabe. Darum scherze ich gerne, Musk wird herausfinden, dass es leichter ist, eine Rakete auf dem Mars zu landen als die Kultur von Twitter zu ändern.

Heimatkurier: Anders als Musk können Sie auf über 20 Jahre politische Erfahrung zurückblicken. Sie haben sehr viel gesehen und können unseren Lesern daher eine elaborierte Einschätzung über die allgemeine politische Lage in den Vereinigten Staaten geben. Wie hat sich das Overton-Fenster in den letzten Jahren Ihrer Ansicht nach verschoben?

Miller: Das ist eine gute Frage. Machen wir einen Schritt zurück und betrachten wir das Ganze global. Die Kluft zwischen den globalen Eliten und der Arbeiterklasse vergrößert sich Tag für Tag und zwar auf der ganzen Welt, nicht nur in den USA. Der Sieg von Trump, der Vollzug des Brexit, die Gelbwesten-Proteste in Frankreich, die riesigen Demonstrationen gegen die Corona-Politik in Österreich und in Deutschland, aber auch Orbans fortlaufende Siegesserie in Ungarn, das alles geht von Menschen aus, die ihr Leben von der globalen Elite zurückfordern. Die politische Spaltung zwischen den Eliten und der Arbeiterklasse wird, denke ich, weitergehen, insbesondere da sich in den letzten Jahren alles vermehrt um Kontrolle dreht. Kontrolle darüber, wo du hingehst, Kontrolle darüber, was du von dir gibst – Cancel Culture und „Wokeism“ sind hier stark im Vormarsch – aber auch wirtschaftlich möchte man immer mehr über dein Schicksal bestimmen. Den einen wird Geld genommen, den anderen gegeben – auch das ist ein Aspekt dieser Kontrolle.

Heimatkurier: Wohin wird das alles führen, denken Sie?

Miller: Ich denke, die Spaltung wird voranschreiten bis die „woke“-Linke erkennt, welchen riesigen Fehler sie begeht. Sie ist an der Macht und es verschlechtert sich die Wirtschaft sowie die Sicherheitslage in unseren Gesellschaften, die Position der Vereinigten Staaten in der Welt gerät zunehmend ins Wanken. Aber die Rechnung dafür wird noch kommen und die Republikaner werden das Ruder rumreißen.

Heimatkurier: Die Situation verschlechtert sich täglich. Warum ist linke Propaganda trotzdem noch immer so viel präsenter in der Gesellschaft?

Miller: Ich sage immer, das politische Spektrum ist keine Gerade, sondern ein Kreis. Linker Populismus und rechter Populismus mögen in ihrer Rhetorik oftmals den Eindruck erwecken, sehr nahe beieinander zu liegen. Linke Populisten versprechen allerdings jedem, alles zu schenken, und gerade in einer Zeit, in der es immer mehr Menschen wirtschaftlich immer schlechter geht, nehmen viele solche Geschenke dankend an. Wer wird dafür bezahlen? „Ah jemand anders, irgendein Reicher“. Was die meisten aber noch nicht erkennen ist, dass sie selbst für diese Geschenke bitter bezahlen werden. In Kolumbien beispielsweise gewann der sozialistische Populist Gustavo Petro und er wird dieses Land in eine dunkle Zeit führen. Er ist ein ehemaliger Rebell, ein Uniform tragender M19-Rebell. Den Leuten ist noch nicht klar, dass sich hinter dieser rhetorischen Ähnlichkeit ein erschreckender inhaltlicher Unterschied verbirgt, der eine große Gefahr für die ganze Welt bedeutet.

Heimatkurier: Auch hier bei uns haben wir das Problem einer radikalen Linken, die sich stetig mehr radikalisiert. Erst heute Morgen wurden vor einem Zentrum patriotischer Aktivisten in Wien Plakate angebracht, die klare Gewalt- und Mordbotschaften transportieren und sogar Gesicht und Adresse eines Patrioten abbilden.

Miller: (Sichtlich fassungslos) Wirklich?! Das tut mir wirklich leid zu hören. Ich kann mir vorstellen, dass das zunächst einschüchternd wirken kann, aber gerade das sollte euch zeigen, dass ihr mit dem, was ihr tut auf dem richtigen Weg seid, wie wichtig eure Arbeit ist und warum wir Meinungsfreiheit und echten Journalismus mehr als jemals zuvor brauchen.

Heimatkurier: Linksextremismus dominiert europaweit die Statistik der extremistischen Straftaten und zwar mit Abstand. Sobald es jemand wagt, ihrer Ideologie nicht blind zu folgen, fallen die Hemmungen, Steine werden geworfen, Autos in Brand gesteckt, teilweise sogar Personen in verwundbaren Momenten abgepasst und feige überfallen. Sind Patrioten bzw. Konservative in den USA ähnlichen Problemen ausgesetzt? Falls ja, gibt es Pläne, um gegen solche Organisationen in den USA vorzugehen? Falls ja, warum wurden diese von Trump nicht bereits umgesetzt?

Miller: Es gibt einen Überhand nehmenden medialen Reflex, jeden Patrioten, jeden der an die Familie glaubt, jeden der daran glaubt, dass man sein Schicksal selbst in der Hand hat, jeden der Unabhängigkeit anstrebt, als Rassisten zu brandmarken, oder auch als homophob oder als was-auch-immer-phob. So faul diese Nummer auch sein mag, auch das ist ein weiterer Aspekt von Kontrolle, eine Technik des Mundtotmachens, um das Diskursfenster zu verkleinern. Das ist unser Hauptproblem. Gruppen wie die ANTIFA sind in Amerika zwar nicht so ein intensives Problem wie in Europa, aber es braucht natürlich einen bundesweiten Aktionsplan, der zur Anwendung kommt, bevor wir europäische Zustände erreichen. Ich wünschte mir persönlich, Trump hätte die ANTIFA als Terrororganisation deklarieren lassen. So könnte man ihre Strukturen auflösen, ihre Anführer einsperren und damit ein klares Signal senden.

Heimatkurier: Welche Maßnahmen zur Stärkung außerparlamentarischen Patriotismus wurden während Trumps Amtszeit gesetzt?

Miller: Stärkung von Patriotismus muss nicht immer Gesetze und Spenden bedeuten. Es gilt ein patriotisches Grundgefühl zu entfachen. Er hat es unter anderem probiert mit der Planung neuer Heldenstatuen, aber vor allem auch mit dem „Space Trooper“-Projekt, welches amerikanischen Patriotismus wortwörtlich in die Sterne tragen sollte. Außerdem gab es von ihm immer wieder klare Zeichen, in Richtung Militär, Polizei und Justiz, die viele Amerikaner wieder stolz auf ihre Truppen gemacht haben.

Heimatkurier: Was können wir als Patrioten tun, um der vorherrschenden Popkultur kontrakulturell entgegenzuwirken?

Miller: Sehr gute Frage. Ich denke, am wichtigsten ist es, an die Jugend heranzutreten und humorvoll zu sein. In Amerika gibt es das Meme „the left can’t meme“ und das zeigt, dass wir auf dieser Ebene recht erfolgreich waren, linke Vorstellungen als idiotisch zu entlarven. Humor funktioniert in der Regel besser als Verbissenheit oder gar verbale Angriffe. Es ist wichtig, das Internet und soziale Netzwerke als Kommunikationsmittel zu verwenden, denn wir können nicht darauf bauen, dass Systemmedien unsere Inhalte wahrheitsgemäß transportieren. Wir müssen unsere eigenen Netzwerke und Strukturen aufbauen und wenn wir die linke kulturelle Hegemonie nachhaltig überwinden wollen, ist es wichtig, die Jugend möglichst früh zu involvieren.

Heimatkurier: Was halten Sie von Ideen wie „Netflix von Rechts“?

Miller: Ich brauche nicht unbedingt ein rechtes Netflix, ich möchte einfach Unterhaltungsprogramme, die nicht extrem links sind und Konservative ausgrenzen. Am liebsten wäre mir, wenn die Unterhaltungsbranche generell politikfreier Raum wäre. Aber da das kaum möglich sein wird, wäre mein Optimum ein fair ausbalanciertes Angebot, aus dem jeder frei wählen kann. Die gleiche Haltung vertrete ich mit GETTR. Ich möchte kein rechtes Twitter, ich möchte einen Ort, an dem jeder willkommen ist und Meinungen frei ausgetauscht werden können, solange sie im Rahmen des Gesetzes stattfinden, niemandem gedroht und niemand beschimpft wird.

Heimatkurier: Was kann oder muss Ihrer Meinung nach sogar getan werden, um Meinungsfreiheit zu sichern?

Miller: Ich glaube an den freien Markt. Wir brauchen auch im Bereich der sozialen Netzwerke und des Journalismus Wettbewerb. Mit GETTR versuche ich, einen Gegenpol zum Medienmonopol von Facebook und Google aufzubauen und der Zuwachs spricht für sich. Nach einem Jahr haben wir bereits über 6 Millionen Nutzer und sind auf einem guten Weg. Angebot schafft Wettbewerb schafft Freiheit, daher ist es wichtig, dass wir das Angebot auch nützen.

Heimatkurier: Gibt es noch abschließende Worte, die Sie an uns und unsere Leser richten wollen?

Miller: Sehr gerne. Ich finde es großartig, was ihr hier leistet. Ihr bringt so viele junge Leute zusammen, um für eine klare Sache einzustehen und was ihr vielleicht noch nicht realisiert, ihr sprecht für viele, viele Menschen, die erkannt haben, dass sich diese Welt zu ihrem Nachteil verändert. Ihr gebt diesen Menschen eine Stimme, die man nicht ignorieren kann. Darum finde ich toll, was ihr macht und macht weiter so!

An dieser Stelle danken wir Jason Miller nochmals für das interessante Gespräch, wünschen ihm weiterhin viel Erfolg. Wir laden euch außerdem ein, uns auch auf GETTR zu abonnieren!

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