Vergleichen dürfen immer nur die anderen

In Corona-Zeiten scheint der Äpfel-mit-Birnen-Vergleich wieder fröhliche Urständ zu feiern. Querdenker ziehen Parallelen zur NS-Zeit und werden dafür als Verharmloser beschimpft. Vergessen scheint zu sein, wie oft die FPÖ mit diesem Vergleich verunglimpft wurde. Hat sich jemand aus der Ecke empört, die jetzt die Querdenker für NS-Vergleiche niedermacht? Mir ist da kein öffentlich gewordener Fall bekannt. Nur die FPÖ selbst betonte immer wieder, dass derartige Vergleiche die NS-Zeit verharmlosen würden.

Impfskeptiker wie Alkolenker?

Auch andere, die gerne seltsame Vergleiche ziehen, wollen den Querdenkern die Ziehung von NS-Parallelen nicht zugestehen. Da wäre mal ein Autor in der Rubrik Standard Blog, der gerne mit hoffentlich satirisch gemeinten Vergleichen auffällt, die einem Realitätscheck nur mit sehr viel Fantasie standhalten. Er vergleicht Impfskeptiker mit Menschen, die alkoholisiert Auto fahren. Er vergleicht Bhakdis Warnungen vor verfehlten Maßnahmen gegen Corona mit Warnungen vor Panikmache auf der Titanic, wenn jemand „Eisberg voraus“ ruft.

5G wie Erdbeermarmelade?

Auch ein gerne zitierter Wissenschaftserklärer und Doktor der Physik fällt immer wieder mit solchen Vergleichen auf. Beispielsweise erklärte er 5G-Skeptikern, dass es dabei wie mit Erdbeermarmelade sei. Die könnte ja auch irgendwie schädlich sein, aber beweisen kann man das nicht. Dass 5G elektromagnetische Strahlung, die sehr wohl schädliche Effekte auf den Körper haben kann, und Marmelade ein Lebensmittel ist, dass mit elektromagnetischen Wellen wenig zu tun hat, kann man seiner Ansicht nach wohl mal außen vor lassen. Oder dass der Einfluss elektromagnetischer Strahlung auf den Menschen ein gänzlich anderer ist als der von Erdbeermarmelade. Populistische Vergleiche dieser Art mögen beim Zielpublikum für billige Lacher sorgen, aber den gesellschaftlichen Erkenntnisgewinn werden sie nicht weiterbringen. Im Gegenteil dürften sie mehr zu Spaltung beitragen als den besagten Vergleichern lieb ist.

Doppelmoral und Populismus getarnt als Wissenschaftlichkeit

Private Meinung mit wissenschaftlicher Arbeit vermischen dürfen scheinbar immer nur diejenigen, die auf der vermeintlich richtigen Seite der Moral stehen. Kritisiert man die Corona-Maßnahmen als unwissenschaftlichen Schwachsinn, wird man plötzlich dazu gedrängt, das als Privatmeinung zu kennzeichnen. Lobt man die Regierung für umsichtiges Handeln in Pandemiezeiten, ist man der Held der wissenschaftlichen Community.

Es ist schwer zu zeigen, dass oben genannte Beispiele hinkende Vergleiche sind. Allerdings ist es genauso schwer, diese Vergleiche zu verifizieren, da die Datenlage zu den behandelten Themen lückenhaft ist. Solche Vergleiche sind in meinen Augen populistisch. Sie spalten die Gesellschaft, stellen komplexe Sachverhalte viel zu vereinfacht dar. Wenn ich mich als Wissenschaftserklärer aufspiele, meine Arbeit als zutiefst wissenschaftlich darstelle, dann sollten solche Vergleiche unterbleiben. Sie sind erlaubt, immerhin herrscht noch so etwas wie Meinungsfreiheit. Trotzdem sollte man sich entscheiden: will man als Propagandist der Regierungslinie Meinung als wissenschaftliche Fakten verkaufen oder will man tatsächlich seiner Zunft alle Ehre erweisen und den Menschen wissenschaftliche Denkweisen näherbringen?

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