Schluss mit Doppelmoral und Heuchelei oder: Sind wir alle egoistische Narzissten?

In der sogenannten Krise wird immer wieder argumentiert, die Liebsten müssten uns einen Corona-Test wert sein, damit wir sie nicht gefährden. Warum höre ich nie das umgekehrte Argument, dass ich den Liebsten das Risiko wert sein muss, mich nicht als potentielle Gefahr oder Virenschleuder wahrzunehmen? Was für eine fehlgeleitete Solidarität beziehungsweise Nächstenliebe ist denn das? Ich nenne das Heuchelei und Doppelmoral.

Falsche Solidarität

Man hört auch oft von der Impfung als Akt der Solidarität. Es wird behauptet, die Geimpften hätten sich Privilegien verdient, sollten mehr Freiheiten haben als Nicht-Geimpfte, denn es dürfe ja nicht allen gleich schlecht gehen. Wenn man das Argument, dass man die Risikogruppen besser schützen sollte, anstatt alle einzusperren, damit es nicht allen gleich schlecht geht, vorgebracht hat, wurde man als unsolidarisch beschimpft. Jetzt wird das gleiche Argument von den Leitmedien und der Politik benutzt, um Geimpfte zu bevorzugen. Diese Doppelmoral widert mich an.

Wenn man sich über eine seltsame Maßnahme beschwert, anstatt zu jedem Blödsinn Ja und Amen zu sagen, wird man heutzutage schnell als Spinner oder egozentrisch beschimpft. Das bekomme gerade ich zu hören, der eigentlich mehr das Wohl anderer als sein eigenes Wohlergehen im Auge hat und zumeist viel zu wenig an die eigenen Interessen denkt. Unsere gesamte Gesellschaft wird als egozentrisch hingestellt, als zu individualistisch und zu wenig kollektivistisch. Doch ist nicht genau dieser Vorwurf wiederum maßlose Egozentrik? Von anderen zu verlangen, im Namen der Freiheit der Gemeinschaft unfrei zu sein und das Leben nicht mehr zu leben, ist doch wohl nicht solidarisch. Und das in einer Gesellschaft, die vorgibt, ihre Minderheiten schützen zu wollen. Von anderen verlangen, dass sie sich aus Solidarität in den Krankenstand impfen lassen, hat rein gar nichts mit Solidarität zu tun. Diese Doppelmoral kotzt mich an.

Verleugnen wir unsere eigene Natur?

In Wahrheit verleugnen wir unsere eigene Natur und kommen damit unserer Selbstvernichtung mit riesengroßen Schritten näher. Eigentlich steckt in jedem von uns ein Egoist und Narzisst und gerade das macht all die Vorwürfe an die zurecht in Bezug auf viele Maßnahmen kritischen Geister auf doppelmoralische Art und Weise komplett lächerlich, abstrus, falsch und faktisch weniger haltbar als die allerabwegigste Verschwörungstheorie. Gleichzeitig sind wir auch soziale Wesen, die einander helfen, ohne eine Gegenleistung zu verlangen. Wer diese Ambivalenz negiert, kann als Naturleugner bezeichnet werden.

Wer sind denn die angeblich so nächstenlieben und solidarischen Menschen, die anderen vorschreiben wollen, welche Risiken sie eingehen dürfen und welche nicht? Soll jetzt etwa jeder Selbstmörder posthum wegen Gefährdung anderer Menschen verurteilt werden, denn jemand, der sich vor einen fahrenden Zug wirft, gefährdet unmittelbar die Insassen des entsprechenden Gefährts, insbesondere wenn der Lokführer vor Schreck eine Vollbremsung vollführt.

Insofern passt auch die Distanziererei zum heutigen Zeitgeist. Es wird ja immer gefordert, dass man sich von diesem oder jenem distanzieren soll, denn tue man es nicht, dann sei man ein ganz ein Böser.

Solidarität kann man nicht erzwingen

Was für eine Solidarität soll das sein, in der andere ihren Mitmenschen vorschreiben, wie sie zu leben haben? Was hat es mit Nächstenliebe zu tun, wenn den Menschen verboten wird ihr Leben zu leben? Oder wie Reinhard K. Sprenger in der NZZ schrieb: Solidarität kann nicht erzwungen werden, denn nur freiwillige Solidarität ist echte Solidarität.

Bei all den teils unnötigen Diskussionen über Corona wird auch fast immer die riesengroße Frage vergessen, die wir uns alle stellen sollten: sind die Maßnahmen schlimmer als das, was sie bekämpfen sollen? Wer sich anmaßt, das mit absoluter Sicherheit zu wissen, sollte eventuell einen Psychiater in Anspruch nehmen. Trotzdem traue ich mich zu behaupten, dass die Maßnahmen in ihrer strengen Form mehr Schaden anrichten als sie nutzen. Ob das stimmt, wird sich hoffentlich irgendwann zeigen, damit die für das Unrecht verantwortlichen Herrschaften zur Rechenschaft gezogen werden können.

P.S.: Nicht nur bei Corona, sondern auch beim Thema Klima scheinen viele Menschen einem Weltretter oder Superhelden-Komplex zu unterliegen. Liegt das am Konsum der nicht allzu tiefsinnigen Superheldenserien und -filme, die nahezu inflationär, wie am Fließband produziert, auf uns hereinprasseln?

P.P.S.: Wahre Helden werden hingegen viel zu selten gewürdigt, insbesondere die sogenannten Alltagshelden, die das System in einer Form am laufen halten, die es vielen von uns ermöglicht, zu überleben, ohne selbst Arzt, Fleischer, Gärtner, Gemüsebauer, Jäger oder ähnliches zu werden. Weder finanziell noch medial noch politisch hört man dahingehend eine ausreichende Würdigung und wenn, dann findet sie nur im Stillen statt. Andere weniger wichtige Themen werden dafür in den Vordergrund gerückt. Erst im Moment des Ausbruchs einer Krise treten sie für kurze Zeit in den Hintergrund und werden von einer heuchlerischen Scheinwürdigung für das, was viel zu viele von uns als selbstverständlich erachten, abgelöst.

Bild von Myriams-Fotos auf Pixabay

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