Die klimatische Irreführung

Eines von vielen Beispielen für irreführende Berichterstattung über wissenschaftliche Studien lieferte im Jahr 2020 der Standard.

Grönlandeis nicht mehr zu retten?

In dem dort zitierten Paper ist nicht davon die Rede, dass das Grönlandeis nicht mehr zu retten ist, wie der Standard schreibt. Allerdings findet sich dazu in dem Artikel nichts.

Aus dem Schluss des Papers geht hervor, dass es nur um regionalen Verlust geht, der sich im letzten Jahr im Südosten Grönlands verstärkt hat. Ein weiterer schneller Rückzug ist unwahrscheinlich – „unlikely“. Auch das wird im Standard-Artikel nicht erwähnt.

Interessant ist auch, dass der Standard davon schreibt, dass selbst ein „hypothetischer Stopp des Klimawandels die Gletscher“ Grönlands nicht mehr retten könne. Davon steht im Paper ebenfalls nichts. Das Wort “climate change” kommt darin kein einziges Mal vor.

Keine letztgültige Wahrheit

Auch wichtig zu erwähnen: Laut dem Paper benötigen Vorhersagen für die zukünftige Veränderung der Eisfläche Grönlands ein besseres Verständnis der Grenze zwischen Ozean und Eis und der Effekte, die das Kalben von Gletschern kontrollieren. Das bedeutet, dass die Aussagen im Paper mitnichten eine letztgültige Wahrheit darstellen, obwohl der Artikel das suggeriert.

Damit ist allein schon die Schlagzeile „Grönlands Eisverlust ist unumkehrbar“ eine maßlose Irreführung, die wissenschaftliche Erkenntnisse als Wahrheit verkauft, obwohl die Erforschung dieses Sachverhalts noch in vollem Gange ist und sich daraus keine unumstößlichen Fakten ableiten lassen.

Bärendienst für Verschwörungstheorien

Mit dieser Art von Berichterstattung über wissenschaftliche Studien erweisen Medien aufkeimenden Verschwörungstheorien einen Bärendienst. Wer muss noch Theorien für Manipulation und Propaganda aufstellen, wenn immer wieder schwarz auf weiß zu lesen ist, dass etwas bei der medialen Berichterstattung grob schiefläuft? Ist es Absicht oder einfach nur Unwissen? Ist es ideologiegetriebenes, unbewusstes Fehlverhalten? Wir wissen es nicht, aber es ist auch unerheblich. Wenn weiter auf diese Art Schindluder mit Forschungsergebnissen getrieben und dadurch das Vertrauen in die Wissenschaft untergraben wird, dann wird ein Thema wie der Klimawandel die Gesellschaft unweigerlich spalten.

P.S.: Besser brachte diese Studienergebnisse einige Zeit später die NZZ auf den Punkt. In diesem Artikel werden auch die Unsicherheiten der Forschung erwähnt.

P.P.S.: In jedem Fall sollten auf dieser Basis nicht einmal leise Gedanken an irgendeine Form von Klimalockdown aufkommen dürfen. Leider hat ein deutscher Politiker uns dahingehend schon eines Besseren – oder eher eines Schlechteren – belehrt.

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